Familie FUDICKAR
FUDICKAR Family
1. Deutung des Namens "Fudickar"
- von Prof. Dr. Jürgen Udolph
Im zweiten Teil steht "kar", das mit H. Jellinghaus (Die westfälischen Ortsnamen nach ihren Grundwörtern. 3. Aufl. Osnabrück 1923. S. 120) zu mnd. "kar" (tiefes Gefäß, tiefer Korb, Schüssel, Talkessel) gehört.
Der erste Teil ist schwierig, kann aber mittelniederdeutsch vôde, „Nahrung, in räumlich begrenzter Geltung (Westfalen), übertragen auch Viehweide, Weideland, Koppel“ (R. Zoder: Familiennamen in Ostfalen. Bd. 1. Hildesheim 1968. S. 501) enthalten.
Der Name könnte sich damit auf eine niedrig gelegene Stelle beziehen, die als Futterweide genutzt wurde.
1. Interpretation of the name "Fudickar"
- by Prof. Dr. Jürgen Udolph
The second part shows „kar“, it corresponds according H. Jellinghaus (The Westphalian toponyms according to their primary words. 3rd Edition. Osnabrück 1923. p. 120) to Middle Low German „kar“ (deep pot, deep basket, bowl, basin).
The first part is difficult, but could be Middle Low German vôde, „food, in regional meaning (Westphalia), interpreted also as meadow, grassland, paddock“ (R. Zoder: Surnames in Eastphalia. Vol. 1. Hildesheim 1968. p. 501).
Consequently the name could refer to a lowland, which was used as a forage paddock.
2. Weitere Deutung zur Entstehung und Herkunft des Namens
- von fudickar.info
2. Further interpretation to emergence and origin of the name
- by fudickar.info (please scroll down for the English version)
Um die Entstehung und Herkunft des Namens Fudickar rekonstruieren zu können, müssen wir zunächst die allgemeinen Ursachen für die Erschaffung von Familiennamen genauer untersuchen. Seit Beginn des 12. Jahrhunderts fand in dem Gebiet des damaligen salischen Kaiserreiches zu dem bestehenden Rufnamen eine weitere Personenbezeichnung - der Familienname - nach und nach Einzug. Grund hierfür waren unter anderem das schnellere Bevölkerungswachstum und die sich dadurch vergrößernden Ortschaften, als auch die steigende Mobilität im Handel gewesen. Das Gros der Nachnamen entstand im Spätmittelalter zwischen der Mitte des 14. und des 16. Jahrhunderts.
Bei der Auswahl der Art des Zunamens können wir insbesondere vier große Gruppen nennen: Namensbildung aus Ortsnamen, aus Berufen, aus Rufnamen und aus besonderen Ereignissen oder Eigenschaften. Eine Kombination aus mehreren dieser Komponenten war auch möglich und fand in zahlreichen Sonderfällen Anwendung. Aus der Epoche des Althochdeutschen (750-1150 n. Chr.) sind bereits Fälle von Familien mit Zunamen belegt, in der Epoche des Mittelhochdeutschen (1150-1350 n. Chr.) begann jedoch die eigentliche Blütezeit der Namensgebung mit Ihrem Höhepunkt im Frühneuhochdeutschen (1350-1650 n. Chr.).
Die Pflicht, einen Zunamen zu führen, kam hierzulande erst im Verlaufe des 15. Jahrhunderts auf, um zum Beispiel das Erb- und Steuerrecht praktikabler zu machen. Fortan erhielten Frauen und Kinder den Namen des Ehemannes beziehungsweise Vaters. Vor dieser Zeit war es Gang und Gäbe, Namen aus den unterschiedlichsten Gründen einfach selbst zu ändern. Anlässe hierfür boten beispielsweise die Änderung des Wohnortes, Nichtgefallen des aktuell gebrauchten Namens oder Berufswechsel.
Wenden wir uns nunmehr der Familie Fudickar zu. Erste Belege des Namens finden wir in den Urkunden des Klosters Werden. Auf einem Fragment einer Rechnung unter dem Datum 28. Oktober 1397 wird die Burganlage Fudickar mit den Hof- und Wirtschaftsgebäuden erwähnt. 1404 n. Chr. wird Teyl Fudickar als erster Namensvertreter amtlich dokumentiert erwähnt, welcher das Gut in der Honschaft Rützkausen - nahe dem heutigen Wuppertal - bewirtschaftete. „Rützkausen“, früher „Hrosteninghusen“, bedeutet: „bei den Häusern der Sippe des Hrosten gelegen“. Gemeint ist Graf Hrosten, einer der ersten Lehnsherren der Region, aus der Zeit um 815 n. Chr. Zu dem Gut gehörten, aus alten Quellen hervorgehend, circa 322 Morgen Land, für damalige Verhältnisse eine beträchtliche, weit überdurchschnittliche Größe. Die ältesten Teile des Hofes beinhalteten noch einen Wohnstall in Verbindung mit einem dreistöckigem Wehrspeicher [Steingaden] und zwei uralten, ineinandergebauten Gütern. Ein Indiz dafür, dass das Anwesen schon bei seiner frühesten Erwähnung, 1397 n. Chr., ein sehr hohes Alter gehabt haben musste. In den ältesten Teilen der Gebäude konnten zwei Platten mit Inschriften in die Wand eingelassen aufgefunden werden. Auf der einen Platte stand: „Wir bauen hier so fest und sind doch fremde Gäst“ und auf der anderen: „Wo wir ewig sollen sein, da bauen wir so wenig ein“. Diese Platten bezeugen die tiefe Gläubigkeit der frühen Fudickars und deren Überzeugung.
Zwei Bedeutungskomponenten bilden den Familiennamen: das lateinische, gebeugte Verb „fudi“ sowie das mittelhochdeutsche Substantiv „Kar“. Beachte man den grammatikalischen Zustand des Verbs „fudi“ so fällt auf, dass es sich um 1. Person Singular Perfekt, Indikativ von „fundere“ in der Aktivform, handelt. Der Bedeutung nach heißt das übersetzt soviel wie „ich habe ausgegossen / ich habe ausgeschüttet“. Das mittelhochdeutsche Substantiv „Kar“, die eigentliche althochdeutsche Schreibweise ist „Char“, sagt „tiefe Schüssel“ oder auch „Gefäß“. In erster Linie steht ein „Kar“ jedoch für das altdeutsche, gebräuchliche Hohlmass für Getreide. Ein „Kar“ entspricht je nach Art des Korns zwischen 190 kg und 240 kg Getreide. Zugrunde liegt für das althochdeutsche Substantiv „Char“ das germanische Wort „kasa“ oder auch „kaza“ für „Gefäß“.
Der Namensgeber des Namens Fudickar hatte demnach wohl bereits Anfang des 12. Jahrhunderts, also im mittelalterlichen Reich von Kaiser Heinrich V., auf dem Gute Fudickar gelebt. Er müsste sich, im Hinblick auf die 1. Person Singular von „fundere“ selbst den Namen verliehen haben und in Bezug auf das Tempus des Verbs von einer Handlung berichten, welche er selbst kürzlich oder gerade vollbrachte oder vollbracht hat und besondere Aufmerksamkeit verdiente.
„Ich habe das Gefäß [Kar] mit Getreide ausgeschüttet!“ ist die Botschaft des Namens, welcher älter ist als fast alle deutschen Familiennamen. Vielleicht handelte es sich bei dem Ereignis um eine Armenspeisung während einer Hungersnot? Der Namensgeber hatte höchstwahrscheinlich mehr als genug Korn zur Verfügung, um diese Periode zu überdauern und Getreide an Hilfebedürftige abgeben zu können. Oder meinte er etwa das biblische Bekenntnis „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“? Im Zusammenhang mit den oben erwähnten christlichen Tafeln, liegt diese Erklärung im Rahmen des Möglichen.
Nach Auswertung der Daten von 178 zufällig ausgewählten Fudickars, aus der Zeit zwischen Martin Luther und der Französischen Revolution, konnte ein Durchschnittsalter bei Männern und Frauen von ca. 66 Jahren ermittelt werden. Zwischen 4 und 13 Kindern pro Familie spiegelt für damalige Verhältnisse erwartungsgemäße Ergebnisse wieder. Die Kindermortalität lag in der Zeit zwischen Mittelalter und Barock allgemein viel höher als in der Gegenwart, so dass die statistische Zahl der Kinder, welche das Erwachsenenalter erreichten, bei 6 lag.
Statistische Auswertung von Alter und Geburtenrate, bei Mitgliedern der Familie Fudickar in der Zeit vom Spätmittelalter bis ins Barock:
| Auswertungszeitraum | 1520-1780 n. Chr. |
| Ausgewertete Daten | 178 Fudickars |
| Durchschnittsalter Mann | 65,7 Jahre |
| Durchschnittsalter Frau | 66,2 Jahre |
| Durchschnittliche Kinderzahl | 7 Kinder |
| ... davon Söhne | 4 Söhne |
| ... davon Töchter | 3 Töchter |
In order to be able to reconstruct the emergence and origin of the name Fudickar, we must first of all closely examine the general reasons for the creation of surnames. Since the beginning of the 12th Century we found in the area of the Salische Empire that there was a gradual introduction of people having an additional name of identification - the surname. The reason for this was, amongst other things, the fast growth of the population and consequently the increase in size of towns and villages, and the rise in mobility because of trade. The bulk of the surnames originated in the late Middle Ages between the 14th and 16th century.
Selection of the kind of the surnames can be broken down into four large groups: Name descending from place names, from occupations, from the calling name and from special events or from characteristics. A combination of several of these components was also possible and found in numerous special cases. From the epoch of the Old High German (750-1150 A.D.) cases are already occupied by families with surnames, in the epoch of the Central High German (1150-1350 A.D.) however the actual peak time of naming began with their highlight in the early New High German (1350-1650 A.D.).
The obligation to have surnames began to run in the 15th Century in order to make, for example, the inheritance and tax laws more practicable. From this point onwards, women and children received the name of the married man and/or father. Before this time it was common to change names for the all kinds of different reasons. Reasons for this could be, for example, the change of residence, no longer liking the name or having changed profession.
We turn now to the Fudickar family. We find first mention of the name in the documents of the monastery. In a fragment of an invoice dated 28th October 1397 A.D. the castle, manor house and gardens of Fudickars with the yard and farm buildings are mentioned. 1404 A.D. Teyl Fudickar is officially documented as the first name bearer, who managed the property in the village Ruetzkausen - close to today's Wuppertal -. "Ruetzkausen", in former times "Hrosteninghusen", meant: "by the houses of the Earl Hrosten". Earl Hrosten, one of the first leading gentlemen of the region, to whom the property belonged from around 815 A.D., supposedly owned about 322 acres of land, a considerably larger than average sized property for that time. The oldest parts of the yard contained still a living area in connection with a three floored castle tower [called "Steingaden"] and two old, adjoined manor houses. An indication for the fact that Fudickars must have lived to a very old age, with its earliest mention, 1397 A.D. In the oldest parts of the buildings two plaques with inscriptions could be found in the wall. On the plaque the following was written: "We build here so well and are nevertheless strangers on earth" and on the other one: "Where we eternally should be, there we build only a little". These plaques testify to the deep faith of the early Fudickars and their conviction.
Two meanings form the surname: The Latin verb "fudi", as well as the Central High-German noun "Kar". One considers the grammatical condition of the verb "fudi", thus it is noticeable that it is in the 1st Person Singular Perfect, indicative of "fundere" in the active form. After the meaning is called translated as much as "I have filled / I have poured". The Central High-German noun "Kar", the actual Old-High-German way of writing is "Char" for "deep bowl" or also "deep jar". Primarily a "Kar" is located; however for the Old-German, common capacity measure for grain. A "Kar" grain corresponds depending upon kind of the grain between 190 kg and 240 kg. Is the basis for the Old-High-German noun "Char" the Celtic word "kasa" or also "kaza" for "jar".
The name giver of the name Fudickar had therefore probably already at the beginning of the 12th Century, thus in the medieval empire of Heinrich V., on the property Fudickar lived. It would have itself, regarding the 1st Person Singular of "fundere" even lent the name and regarding the tense of the verb of an action to report, which it recently or straight achieved or achieved and special attention earned.
"I have poured out the jar [Kar] with grain" is the message of the name, which is older than nearly all the German surnames. Perhaps it had something to do with supplying food during a food shortage? The name giver most likely had more than enough grain available in order to outlast this period and sufficient to be able to help others in need. Or does it mean the Biblical confession "Man does not live by bread alone"? In connection with the Christian plaques mentioned above, this explanation lies in the bounds of possibility.
After evaluation of the data of 178 A.D. of selected Fudickars, from the time between Martin Luther and the French revolution, an average age of men and women could be determined as approx. 66 years. Between 4 and 13 children per family reflects, what would be expected for the conditions at that time. The child mortality rate was much higher between the Middle Ages and Baroque than in the present time, so that the statistical number of children who reached adulthood was 6.
Statistic evaluation of age and birth rate of members of the Fudickar family from the time of the late Middle Ages up to the Baroque era:
| Evaluation period | 1520-1780 A.D. |
| Evaluated data | 178 Fudickars |
| Average age of man | 65,7 years |
| Average age of woman | 66,2 years |
| Average number of children | 7 childs |
| ... thereof sons | 4 sons |
| ... thereof daughters | 3 daughters |
Häufigkeit und Verteilung nach Telefonbucheinträgen
Frequency and distribution according German phone book entries
Wenn man die Bevölkerungsdichte verrechnet, findet man die meisten Anschlüsse in der kreisfreien Stadt Solingen, nämlich 30 Anschlüsse pro Million Einwohner. Die meisten Fudickars findet man in der kreisfreien Stadt Wuppertal, mit insgesamt 9 Telefonanschlüssen. Es wurden 53 Einträge gefunden und in 24 verschiedenen Landkreisen lokalisiert.
Eine Übersichtskarte nach absoluten Telefonanschlüssen in Deutschland finden Sie hier:

Diese Telefon-Auswertung wurde bereitgestellt von: Geogen-Onlinedienst, Christoph Stöpel.
This telephone evaluation is provided by: Geogen-Online.Service, Christoph Stöpel.
Weitere statistische Befunde:
Further statistical results:
- Alle Fudickars sind verwandt und gehen auf das Stammgut bei Wuppertal zurück.
- Es gibt derzeit mehr als 300 Namensträger weltweit, in über 90 Familien.
- Verteilt auf mind. 6 Länder in 3 Kontinenten, mehr als 85 % wohnen in Deutschland.
- All Fudickars are related and go back to the Manor House near Wuppertal.
- There are currently more than 300 bearers of the name worldwide, in over 90 families.
- Widespreaded to at least 6 countries in 3 continents, more than 85 % live in Germany.